Cucurbita verflüssigt
Cichorium intybus L. var. sativum Lam. et DC.
Cucurbita verflüssigt

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Trivialnamen: Wurzelzichorie; Kaffeezichorie; Chicory
Familie: Asteraceae
Merkmale: mehrjähriges Kraut
Heimat: Europa bis Westasien
Blütezeit: Juli - Septmber
Bemerkungen: Die Stammpflanze der beiden Variationen (var. sativum = Wurzelzichorie, var. foliosum = Chicoree) ist die nun weltweit verschleppte, blau blühende Wegwarte (var. intybus) unserer Straßen und Wege. Sie war schon den Griechen und Römern als Heil- und Gemüsepflanze bekannt. Italien ist vermutlich die Wiege der Salatform (z.b Radiccio, ein roter 'Salat'). Die Wurzelkulturform entwickelt im ersten Jahr eine Blattrosette und eine bis zu 25 cm lange Rübe, welche, so man sie lässt, in nächsten Jahr blüht. Man erntet im Herbst des ersten Jahres, schabt die braune Rinde ab, zerstückelt die Rübe, trocknet, röstet (mit oder ohne Zusatz von Fett) und mahlt die Stückchen bevor sie wieder feucht. werden. Das Inulin (57,8% des Trockengewichtes) wandelt sich beim Rösten in ein kaffeeähnliches Aroma (Oxymethylfurfurol). Überbrüht ergibt das Mehl den Zichorienkaffee (auch Ersatzkaffee, deutscher Kaffee, oder Muckefuck, letztere etymologisch vielleicht aus 'mocca faux' = franz. falscher Kaffee). Früher ausschließlich aus Zichorienwurzel hergestellt wird er heute mit vielen anderen Zutaten vermischt, u.a. Getreide und Gerstenmalz (Malzkaffee) . Die Erfindung machte der Hofgärtner Timme Anfang des 18. Jhd. Andere Quellen sagen, dass schon um 1600 der Ersatzkaffe aus Zichorie bekannt war. 1722 wurde dieser Ersatzkaffe in einem Kriegskochbuch erwähnt. Friedrich der Große förderte ab 1763 den Zichorienkaffe stark (feldmäßiger Anbau), um Devisen für den importierten Kaffee zu sparen, und auch die Kontinentalsperre Napoleons lies den Zichorienkaffeekonsum stark ansteigen. Noch im Jahr 1938 wurden 92,2 Mio hl Zichorienkaffe im Gegensatz zu 79,6 Mio hl Bohnenkaffee getrunken. Nach wie vor wird Pulverkaffee oft mit Zichorienpulver verfeinert. Neue Anwendungen sind die Gewinnung von Inulin, Fructose, Ethanolgewinnung, Fructosesirup. Ältere Sorten neigen auch zur Verdickung von Seitenwurzeln. Auch andere Asteraceae (Scorzonera, Taraxacum) wurden so als Kaffeeersatz genutzt. Inulin wird vermehrt in Meiereien zur Verbesserung der Konsistenz von Milchprodukten verwendet. Vorteilhaft ist hier der geringe Brennwert (1 kcal/g, im Gegensatz zu knapp 4 kcal/g bei Stärke). Die Blätter, und auch die Wurzeln, können verfüttert werden.
Schlagwörter: Asien · Europa · Genussmittelpflanze · Technisch nutzbare Pflanze · Westasien · Wurzel