Literarische Moderne |
Franz Mehring (1848 - 1919) |
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Einleitung
Franz Mehring war der bedeutendste sozialistische Literaturkritiker und Historiker im wilhelminischen Kaiserreich. Mit seinen literarhistorischen Arbeiten als Feuilletonredakteur der "Neuen Zeit"
machte er als einer der ersten die Methode des Historischen Materialismus für die sozialdemokratische Literaturkritik
produktiv. Literaturkritik und -wissenschaft verstand Mehring als Teil einer allgemeinen Geschichtswissenschaft, die ästhetische Phänomene nicht losgelöst von politischen und ökonomischen Hintergründen untersuchen sollte.
Mit Mehring begann im deutschen Kaiserreich die marxistisch inspirierte Auseinandersetzung über Bedeutung und Funktion der Literatur in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Im Dienste des proletarischen Emanzipationskampfes in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft betrachtete Mehring Literaturkritik als ein Mittel zur politischen Entwicklung des Klassenbewusstseins der Arbeiterklasse. Die gesellschaftliche Entwicklung galt ihm als Wurzel der zu analysierenden Phänomene. Seinen literarischen Aufsätzen und Rezensionen liegt der Versuch zugrunde, vor dem Hintergrund der marxistischen Gesellschaftstheorie die einzelnen Werke, Autoren und Literaturströmungen kritisch zu bewerten, sie aufgrund dessen polemisch anzugreifen (Naturalismus, Neuromantik etc.) oder sie für das sozialdemokratische Publikum nutzbar zu machen (vor allem die deutsche Klassik und die Nachklassik).
Als Verfasser zahlreicher Rezensionen und als Herausgeber sozialdemokratischer Publikationen sowie als Vorsitzender des arbeiternahen Berliner Theatervereins "Freie Volksbühne" förderte Mehring auch die Anfänge sozialistischer bzw. proletarischer Kunst und Literatur. Während des Ersten Weltkrieges wandte sich Mehring verstärkt der politischen Praxis zu und beteiligte sich sowohl an der Arbeit des "Spartakusbundes" um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht als auch an der Gründung der "Kommunistischen Partei Deutschlands" (KPD).
Literaturkritisches Verständnis
Mehrings Ziel war die kritische Einordnung und Aneignung deutscher Literaturgeschichte und Gegenwartsliteratur zum Zwecke einer Stärkung des Proletariats in den damaligen sozialen und politischen Auseinandersetzungen (politische Funktion). Literaturkritik galt ihm als ein Mittel, um aufklärend-erzieherisch in die Arbeiterklasse zu wirken, um eine "Revolutionierung der Köpfe, als wirksamsten Hebel der Massenaufklärung und Massenbildung" (Die Neue Zeit, 28. Jg. 1909/10, 1. Bd., S. 687) voranzubringen (pädagogisch-didaktische Funktion). Doch bekämpfte Mehring auch die zunehmende Kommerzialisierung des Berliner Theaterbetriebs, in dem, so Mehring, Reklame und Korruption längst Kunstinteressen pervertiert hatten ("Lindau-Affäre"). ![]()
Charakteristisch für seine literaturkritischen Arbeiten sind eine historische Betrachtungsweise, die die Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte eines Werkes, eines Autors oder einer literarischen Bewegung mit berücksichtigte, sowie das Aufspüren des jeweiligen sozialen Inhalts, aufgrund dessen Mehring die Wirkungsmöglichkeiten eines Werkes in den sozialen (Klassen-)Auseinandersetzungen bestimmte. ![]()
Im Vordergrund der Rezensionen Mehrings standen die marxistische Deutung von Literatur, die Polemik gegen die chauvinistische Preußenideologie
und die Kritik der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Dennoch behielt er eine ästhetische Dimension bei, die außerhalb des Politischen und der Historie angesiedelt blieb und der Kants "Kritik der Urteilskraft" zugrundelag.
Bedeutende Literatur war für Mehring stets eine gelungene Synthese aus Form und Inhalt: So konnten ihm bestimmte Werke z. B. der bürgerlichen Literatur durchaus als formalästhetisch gelungen gelten, obgleich sie seinen politischen Ansprüchen keineswegs genügten
. Umgekehrt bemängelte er an den Texten proletarischer Autoren formalästhetische Defizite, ungeachtet dessen er ihren politischen Wert würdigte.
Literaturkritische Praxis
Als (Chef-)Redakteur und Leitartikler sozialdemokratischer Zeitungen ("Volks-Zeitung") und Zeitschriften schrieb Mehring hauptsächlich für ein arbeiterfreundliches Publikum. Seine zahlreichen Aufsätze und Rezensionen veröffentlichte er vor allem in der sozialdemokratischen Theoriezeitschrift "Die Neue Zeit", dessen Feuilleton er von 1908 bis 1913 leitete, und in dem Monatsheft "Die Volksbühne". Daneben publizierte Mehring noch in der "Frankfurter Zeitung"
und in den "Grenzboten".
Mit der ihm eigenen agitatorischen Schärfe war Mehring darum bemüht, vergangene und zeitgenössische Literaturströmungen kritisch zu bewerten, z. B. die Nachklassik, den Naturalismus oder die Neuromantik. Doch widmete er auch ausländischen Autoren wie Zola, Tolstoi oder Ibsen ausführliche Besprechungen. Bedeutende Literatur war für Mehring zuallererst politisch bedeutende Literatur.
Bei der deutschen Klassik hob Mehring die demokratischen Elemente und die rebellische Widersetzlichkeit in den Dichtungen Lessings und Schillers hervor. Er wandte sich gegen die antidemokratische Verklärung der Klassiker für das preußischdominierte Deutschland der Hohenzollern durch die bürgerliche Literaturkritik und -wissenschaft. Mehrings 1893 veröffentlichtes Buch "Die Lessing-Legende. Eine Rettung", welches aus einundzwanzig zuvor in der "Neuen Zeit" veröffentlichten Feuilletonbeiträgen entstand, zeugt davon ebenso wie seine späteren Veröffentlichungen im Zusammenhang mit der Schiller-Debatte von 1905. Auch in seiner "Geschichte der deutschen Sozialdemokratie" zog Mehring ein positives Resümee der deutschen Klassik, die ihm als Vorkämpfer für eine wirkliche Kultur gegen die despotischen Verhältnisse ihrer Zeit galt, worin sich die Klassik für Mehring auch von den modernen Literaturrichtungen unterschied.
Eine ähnliche Sichtweise liegt Mehrings Beurteilung der "nachklassischen Literatur" zugrunde: Auch wenn die Arbeiten von August von Platen, Georg Herwegh, Friedrich Hebbel, Karl Gutzkow und Heinrich Heine durch die Bedrücktheit der deutschen Verhältnisse in ihrem Bewusstsein um die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse nach Mehring beschränkt blieben, hob er doch den in ihnen manifesten Widerspruchsgeist und ihr Festhalten an den liberalen Idealen der Aufklärung hervor (vgl. dazu Herman, Die Kunst dem Volke). Insbesondere Heinrich Heine galt seine Aufmerksamkeit, dem er neben Lessing und Schiller eine Monographie sowie eine Edition seiner Werke in zehn Bänden widmete.
Den Naturalismus begleitete Mehring von Beginn an mit Rezensionen und Essays. Anfangs würdigte er den Fortschritt, den der Naturalismus gegenüber der Epoche der Gründerzeitliteratur bedeutete, nahmen die Naturalisten doch auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen kritisch Bezug und griffen soziale Stoffe auf. So besprach Mehring die dramatischen Werke Gerhart Hauptmanns, Max Halbes oder Hermann Sudermanns, aber auch die Dichtungen Arno Holz' in zahlreichen Rezensionen. Spätere Urteile über den Naturalismus sind dagegen durch die Auffassung gekennzeichnet, dass der Naturalismus keine Literaturbewegung im Sinne der sozialistischen Anschauungen darstellt, zeigte sich dieser doch nicht in der Lage, über den bürgerlichen Standpunkt hinauszugehen.
In seinem 1908 in der "Neuen Zeit" erschienenen Aufsatz "Naturalismus und Neuromantik"
kam Mehring zu dem Schluss, dass der Naturalismus zwar "sich von den Lebensbedingungen der kapitalistischen Gesellschaft zu emanzipieren suchte, aber es wurde sein Verhängnis, daß er auf halbem Wege stehen blieb. Er sah in der herrschenden Misere nur das Elend von heute, aber nicht die Hoffnung auf morgen." (Die Neue Zeit, 26. Jg. 1907/08, 2. Bd., S. 962)
Im gleichen Aufsatz wertete Mehring die neuromantische Literaturströmung als konsequente Nachfolgerin des Naturalismus, insofern sie der für den Naturalismus nicht mehr zu ertragenden kapitalistischen Wirklichkeit mit einer "Flucht in ein Traumland" begegnete, das ihr gestattete, "allen nervösen Launen eines übersättigten Publikums genug zu tun." Folgerichtig fällte Mehring über die neuromantische Literatur ein vernichtendes Urteil: "Historisch ist die Neuromantik nichts anderes als ein ohnmächtiges Abzappeln von Kunst und Literatur in den erstickenden Armen des Kapitalismus [...]." (alle ebd., S. 963) Über die Werke Hugo von Hofmannsthal und der Jung-Wiener Dichter höhnte Mehring, sie seien "eine Poesie reicher Söhnchen für reiche Söhnchen; wer sich mit der handfesten Wirklichkeit des rauhen Lebens herumschlagen muß, erwirbt sich nicht die Feinheit der Sinne, um diesen luftigen Nektar genießen zu können" (Die Neue Zeit, 17. Jg. 1898/99, Bd. 2, S. 22) Neuromantik und Impressionismus galten Mehring als Kunst des Verfalls und der Dekadenz, Symptom eines seinem Ende entgegengehenden Bürgertums.
Vor dem Hintergrund der konstatierten Unzulänglichkeiten der zeitgenössischen Literaturbewegungen war Mehring die Förderung einer selbständigen proletarischen Kunst und Literatur ein besonderes Anliegen. Er rezensierte Dramen und deren Aufführungen, Romane und Lyrikbände sozialdemokratischer Tradition und verhalf ihnen zu einer größeren Wahrnehmung und Bekanntheit, darunter Werke von Autoren, die sich wie Mehring zu den Zielen der Sozialdemokratie bekannten: Minna Kautsky, Robert Schweichel, Otto Krille, Ernst Preczang und Lu Märten sowie die Verfasser erster sozialistischer Arbeiterautobiographien wie William Bromme und Wenzel Holek (vgl. dazu Hermand, Die Kunst dem Volke).
Aufgrund der Vernichtung des Nachlasses Franz Mehrings in der Hand des Kunstsammlers Eduard Fuchs durch die SA zu Beginn des deutschen Nationalsozialismus 1933 lässt sich die Biographie Franz Mehrings nicht mehr einwandfrei rekonstruieren.
1846 |
FM wird am 27. Februar 1846 in Schlawe/Hinterpommern geboren. Sein Vater ist der preußische Offizier und Jurist Carl Wilhelm Mehring. Das Elternhaus ist streng preußisch-protestantisch geprägt. |
1866 |
FM beginnt in Leipzig ein Studium der klassischen Philologie und Geschichte, wechselt dann an die Universität Berlin. |
1867 |
FM lernt in Berlin August Bebel (1840-1913) und Wilhelm Liebknecht (1826-1900) kennen. |
1869 |
FM lernt die Schriften Ferdinand Lassalles (1825-1864) kennen. FM bricht das Studium ab und beginnt seine journalistische Laufbahn in der Redaktion der Berliner Tageszeitung "Die Zukunft", eines von Johann Jacoby und Guido Weiß herausgegebenen bürgerlich-radikaldemokratischen Blatts. |
1870/71 |
Während des Deutsch-Französischen Krieges sympathisiert FM kurzzeitig mit den National-Liberalen, die den Krieg befürworten, und verfasst antisozialistische Artikel. |
1871-74 |
FM berichtet für das Oldenbergsche Korrespondenzbüro über Reichstags- und Landtagssitzungen und wird zu einem bekannten Parlamentsreporter. Seine publizistische Tätigkeit lässt den Einfluss von Lassalle erkennen. 1874 kehrt FM zur radikal-demokratischen Linie zurück. |
1874/75 |
FM arbeitet als politischer Korrespondent für die "Frankfurter Zeitung" und "Die Wage". Im Rahmen seiner journalistischen Tätigkeit engagiert sich FM zunehmend für die Ziele der Arbeiterbewegung. |
1875 |
FM veröffentlicht 1875 eine polemische Artikelserie gegen den nationalliberalen Historiker Heinrich von Treitschke, in der er versucht, den Liberalismus gegen die preußische Reaktion zu verteidigen. Seine Sympathie für die Sozialdemokratie tritt erstmals offen zutage. Auseinandersetzungen mit dem Herausgeber der "Frankfurter Zeitung", Leopold Sonnemann, führen jedoch 1876 zu einer Entfremdung mit der Sozialdemokratischen Partei. |
1877 |
FM veröffentlicht ein aus einer Artikelserie entstandenes Pamphlet gegen die Sozialdemokratie unter dem Titel "Zur Geschichte der deutschen Socialdemokratie. Ein historischer Versuch". Eine erweiterte Neubearbeitung unter dem Titel "Die Deutsche Socialdemokratie. Ihre Geschichte und ihre Lehre" erlebt mehrere Auflagen und stellt die erste wissenschaftliche Geschichtsschreibung der Arbeiterbewegung dar. |
1880-1884 |
FM liest die Schriften von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895). Die Empörung über die rigorose Handhabung des Sozialistengesetzes (1878-1890) durch die preußische Polizei führen zu einer erneuten Annäherung an sozialdemokratische Positionen. |
1882 |
FM arbeitet für die "Weser-Zeitung". FM erhält die Doktorwürde an der Universität Leipzig. |
1884 |
FM heiratet Eva Schirmeister. Er wird Redakteur, später Chefredakteur der liberalen Berliner "Volks-Zeitung" (bis 1890) und bekämpft in dieser Funktion das Sozialistengesetz. Entwicklung eines freundschaftlichen Verhältnisses zu August Bebel und Karl Liebknecht. |
1886 |
FM arbeitet immer enger mit der sozialdemokratischen Presse zusammen. |
1888 |
FMs erster Artikel in der Wochenzeitschrift "Die Neue Zeit", dem theoretischen Organ der SPD, erscheint und leitet eine über zwanzig Jahre andauernde Zusammenarbeit ein. |
1890 |
FM wird bei der "Volks-Zeitung" entlassen, Grund ist sein Engagement in der "Lindau-Affäre". Auf die Anweisung des Literaturkritikers Paul Lindau an die Berliner Bühnen, seine Ex-Geliebte, die Schauspielerin Elsa von Schabelsky, zu boykottieren, reagiert FM mit der Veröffentlichung des Pamphlets "Der Fall Lindau", in denen Briefe Lindaus an seine ehemalige Geliebte zitiert werden, die auch andere Theaterkritiker, u.a. Otto Brahm, mitbelasten. Aufgrund dieser Erfahrungen mit der zunehmend kapitalistischen Presse der Bismarckzeit sowie dem Abrücken des Liberalismus von seinen früheren Idealen überwirft sich FM endgültig mit dem bürgerlichen Lager. |
1891-1912 |
FM tritt der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei und beginnt seine langjährige Mitarbeit als Redakteur und Leitartikler bei der "Neuen Zeit", in welcher er die meisten seiner literaturkritischen Arbeiten veröffentlicht. Gleichzeitig schreibt er für das sozialdemokratische Parteiorgan "Vorwärts" und ab 1902 als Chefredakteur für die sozialdemokratische "Leipziger Volkszeitung". |
1892-1895 |
FM ist von 1892 bis 1895 Vorsitzender der "Freien Volksbühne" in Berlin. Er veröffentlicht in der "Neuen Zeit" 21 Feuilletonbeiträge über die Stellung Lessings in der bürgerlichen (Literatur-)Geschichtsschreibung, woraus 1893 das Buch "Die Lessing-Legende. Eine Rettung" entsteht. |
1896 |
FM beteiligt sich auf dem Gothaer Parteitag der Sozialdemokratischen Partei an der sogenannten "Naturalismusdebatte" über die Stellung und Bedeutung der naturalistischen Literaturbewegung für eine fortschrittliche Arbeiterkunst. |
1902 |
FM veröffentlicht die Nachlässe von Karl Marx und Friedrich Engels. |
1905 |
FM leitet die so genannte "Schiller-Debatte" ein. In seinem zum 100. Todestag Schillers veröffentlichten Buch "Schiller. Ein Lebensbild für deutsche Arbeiter" wendet er sich gegen die bürgerliche Verfälschung und Verklärung des Weimarer Klassikers zu einem Vorläufer der Hohenzollerntums und des kriegerischen deutschen Nationalismus und löst damit eine Diskussion innerhalb der Sozialdemokratie über die Vermittlung zwischen literarischem Erbe und aktuellem politischen Auftrag aus. |
1906-1910 |
FM hält zusammen mit Rosa Luxemburg und Heinrich Cunow Kurse an der sozialdemokratischen Parteischule in Berlin. |
Ab 1912 |
kommt es in der SPD zu Grundsatzdiskussionen und verstärkten Spannungen zwischen Vertretern einer traditionell-marxistischen Auffassung vom Klassenkampf, unter ihnen FM, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, und Vertretern eines revisionistischen Ansatzes um Eduard Bernstein und Friedrich Ebert. Letztere wollen sich des parlamentarischen Systems bedienen, um politische Ziele durchzusetzen. FM entfernt sich daraufhin von den politischen Leitlinien des Parteivorstands und befürwortet außerparlamentarische Aktionen und die direkte Beteiligung von Arbeitern an der Ausarbeitung des Parteiprogramms. FM lehnt die sogenannten Kriegskredite ab und zählt bis zur Spaltung der SPD zur innerparteilichen linken Opposition der SPD. Nach der Spaltung der SPD während des Ersten Weltkrieges wird FM aus der Partei ausgeschlossen. Seine politischen Artikel und Kommentare veröffentlicht er daraufhin vor allem in Organen der Spartakusgruppe und dann später der KPD. |
1913-1915 |
Zusammen mit Rosa Luxemburg gibt FM die "Sozialdemokratische Korrespondenz" heraus. Ab 1915 folgt dann die in Prag verlegte "Die Internationale. Zeitschrift für Theorie und Praxis des Marxismus vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands". |
1916 |
FM beteiligt sich an der Gründung der Spartakusgruppe um Luxemburg und Liebknecht. Er wird dafür für vier Monate inhaftiert. |
1917 |
FM kandidiert bei der Ersatzwahl für den verhafteten Karl Liebknecht erfolgreich für den preußischen Landtag. Liebknechts Reichstagsmandat kann er allerdings nicht erringen. |
1918 |
FM beteiligt sich an den Vorbereitungen zur Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). |
1919 |
In der Nacht vom 28. zum 29. Januar 1919, zwei Wochen nach der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts, stirbt FM kurz vor seinem 73. Geburtstag an einer Lungenentzündung im Sanatorium von Berlin-Grunewald. |
Selbstständige Veröffentlichungen:
Posthume Veröffentlichungen:
Links
Textbeispiele von Franz Mehring in englischer Sprache (besorgt von "marxists.org"):
http://www.marxists.org/archive/mehring/
Textbeispiel: Franz Mehring: Karl Marx - Geschichte seines Lebens (besorgt von den "Stimmen der proletarischen Revolution"):
http://www.mlwerke.de/fm/fm03/fm03_000.htm
Lebensdaten Mehrings (besorgt vom Deutschen Historischen Museum):
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/MehringFranz/
Linksammlung zu Mehring mit Hinweisen zum Nachlass (besorgt von der Harold B. Lee Library, Brigham Young University, Provo, Utah, USA):
http://www.lib.byu.edu/~rdh/prmss/l-m/mehring.html
Franz-Mehring-Forschungsprojekt (Universität Hamburg):
http://www.uni-hamburg.de/Forber/aforber/e07/e07010/p09.htm
Mehring, Franz: Grillparzers „Der Traum ein Leben“ In: Die Volksbühne. 1894/95. Autorenporträt, in dem Mehring Grillparzers Stücke auf ihren Wert für das theaterinteressierte proletarische Publikum untersucht und vor allem das Stück „Der Traum ein Leben“ lobt. |
Mehring, Franz: Klassiker des verpreußten Deutschlands In: Die Neue Zeit. 1908/09. Autorenporträt, in dem Mehring anlässlich der vielen würdigenden Nachrufe auf Ernst von Wildenbruch dessen eigentlichen Wert darin sieht, dass in seinen Werken ein getreues Bild des „verpreußten Deutschland“ gegeben wird. |
Mehring, Franz: Naturalismus und Neuromantik In: Die Neue Zeit. 1908. Essay, in dem Mehring den Naturalismus als Versuch lobt, "sich von den Lebensbedingungen der kapitalistischen Gesellschaft zu emanzipieren", dabei aber "auf halbem Wege stehen blieb". Die ihn beerbende Neuromantik dagegen sei nur eine "Flucht in ein Traumland", ein "ohnmächtiges Abzappeln von Kunst und Literatur in den erstickenden Armen des Kapitalismus". |
Autoren: Franz Mehring; Fußnote 1
Mehring warf dem mächtigen Berliner Theaterkritiker Paul Lindau vor, seinen Einfluss darauf verwendet zu haben, dass seine ehemalige Geliebte, eine Schauspielerin, von allen Berliner Bühnen boykottiert wurde. In seiner Broschüre "Der Fall Lindau" geißelte Mehring mit scharfer Polemik die korrupte Berliner Theaterszene: "Ich glaube, daß der Bühnenleiter, der Dramaturg, der Kritiker, daß die Presse und das Theater allgemeinere und höhere Ziele verfolgen können und sollen, als die 'Geschäfte'. Irre ich mich, um so schlimmer - aber nicht für mich, sondern für die heutige Kunst, für die heutige Presse, für die heutige Gesellschaft und nicht zuletzt auch für den heutigen Staat." (Mehring, Der Fall Lindau, 1890, S. 56)
Autoren: Franz Mehring; Fußnote 2
Mehrings sozialistische Kritik richtete sich vor allem gegen die herrschende positivistische Literaturgeschichtsschreibung der Scherer-Schule: "Weder großer Fleiß noch auch mancherlei Verdienst läßt sich der Schule Scherers absprechen. Sie hat viel in ästhetisch-philologischer Kleinarbeit geleistet und versteht sich trefflich auf die kritische Analyse von Dichtwerken, soweit es sich um ästhetisch-philologische Gesichtspunkte handelt. [...] Aber ihr Verständnis schwindet, wie mit dem Messer abgeschnitten, wo sich die literarische mit der ökonomischen und politischen, mit der allgemeinen historischen Entwicklung berührt: Will sie Literaturgeschichte schreiben, so fehlt ihrer Darstellung die historische Perspektive und ihren Gestalten das historische Relief. Sie verfällt dann in ein leeres Phrasenwesen, das durch einen peinlichen Stich ins Loyal-Untertänige nichts weniger als verschönert wird." (Mehring, Die Lessing-Legende, hg. v. Hans Koch, 1963, S. 8)
Autoren: Franz Mehring; Fußnote 3
Hauptmanns "Die Weber" rezensierte Mehring zunächst sehr positiv. Nach der späteren Distanzierung Haupt-manns von der sozialen Sprengkraft seines Dramas betonte Mehring zwar weiterhin den sozialen Gehalt der Stückes, weshalb er es in der Berliner "Freien Volksbühne" aufführen ließ, aber seine Einschätzung Hauptmanns und seines weiteren Werks wurde deutlich distanzierter. Vgl. Mehring, Franz: Gerhart Hauptmann: Die Weber, In: Die Neue Zeit, 6. Jg. 1893, 1. Bd., S. 769; Mehring, Franz: Hauptmann: Kaiser Karls Geisel, In: Die Neue Zeit, 26. Jg. 1908, 1. Bd., S. 675.