1. Reiner Becker - Interaktions- und Kommunikationsprozesse in Familien von ... 2. Christine Hartig - Berufliche Selbstbeschreibung von hauptberuflichen ErwachsenenbildnerInnen 3. Thorsten Pehl - Qualitätszirkel als Instrument der Schulentwicklung? 4. Sven Schönfelder - Rechtspopulismus als Teil Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit 5. Karin Bräu - Lehrerhandeln im individualisierten Unterricht 6. Monika Lang - Bewältigungsprozesse bei Müttern und Vätern von Kindern ... 7. Martin Vollmar - Die Bedeutung von Naturerfahrung für den Bildungsprozess von Kindern 8. Torsten Niebling - Jugend und Partizipation - Fallstudien zum ... 9. Julia Estor - Die Auswirkungen von Geschwisterbeziehungen auf die weibl. Sozialisation 10. Angela Schmidt-Bernhardt - Weibliche Adoleszenz und Identitätsbildung von Spätaussiedlerinnen in Deutschland 11. Monika Roscher - Bewegung, Wahrnehmung, Erfahrung 12. Karin Krah - Gesundheitserleben und -handeln im Alltag bei 20- bis 45-jährigen ... 13. Mathias Wierth-Heining - Die Bedeutung von Filmerzählungen für jugendliche Cliquen ... 14. Mike Pott-Klindworth - Schulsportforschung und Professionalität 15. Thorsten Dresing - Entwicklung und Evaluation einer interdisziplinären Online-Lehrveranstaltung ... 16. Gaby Schreder - Lehren und lernen aus Schüler/innensicht 17. Uwe Feldbusch - Aspekte selbstgesteuerten Lernens in der Weiterbildungspraxis 18. Katrin Wahl - Der Umgang mit Medien als alltagskulturelle Praxis in familialen Mehrgenerationszusammenhängen 19. Christof Heim - Gesundheitsförderung und Bewegung in Schule und Unterricht
Das Projekt beinhaltet die Entwicklung einer didaktischen Seminarstruktur für Onlineseminare, einer opensource Lernplattform und die mehrfache Seminardurchführung und -evaluation zum konkreten Seminarinhalt "Einführung in die computerunterstützte Text- und Inhaltsanalyse". Für die Seminarevaluation werden Interviews und Forenbeiträge der Teilnehmenden analysiert (Grounded Theory, Sequenzanalyse, quantitative Satz-für-Satz Analyse). Vermutet wird ein Zusammenhang zwischen dem Lernstil der Teilnehmenden (Learning Style Inventory nach Kolb 1999) und dem Lernerfolg im kooperativen und problemorientierten Online-Lernsetting. Ziel ist es, eine übertragbare didaktische Seminarstruktur und technische Plattform für andere Seminarinhalte und Fachbereiche zu entwickeln und bereitzustellen und Aussagen über einen möglichen Einfluss des individuellen Lernstils auf das Onlinelernverhalten zu treffen. Die Online-Lehrveranstaltung greift den Ansatz des Blended Learning auf und kombiniert Lernen in Präsenzphasen mit dem Einsatz elektronischer Kommunikations- und Kooperationsmedien. Die hybride Lehrveranstaltung ist speziell für Studienanfänger der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ohne Vorkenntnisse im Bereich der qualitativen Sozialforschung gedacht. Inhaltlich wird das Themengebiet Text- und Inhaltsanalyse auf "authentische" und praktische Weise in sechs aufeinander aufbauenden Themenblöcken erschlossen. Basierend auf Verfahren wie der Grounded Theory oder der Inhaltsanalyse nach Mayring wird methodisches Fachwissen durch verschiedene, aktivierende Methoden erweitert, reflektiert und in einem kleinen Forschungsprojekt konkret angewendet. Der Kern der didaktischen Seminarkonzeption wird durch eine einfach zu bedienende Online-Lernumgebung umgesetzt, die Chats für die synchrone Kommunikation und Foren zur Diskussionen und den Austausch von Dokumenten bereitstellt. Diese wurde auf der Basis einer ausgezeichneten Forensoftware und verschiedener Plattformevaluationen und Kriterienkataloge (Baumgartner 2003 u.a.) in fünf Monaten Entwicklungszeit programmiert. Die entwickelte Plattform kann von anderen Universitäten kostenfrei genutzt werden und wurde bereits von der Nixdorff Stiftung und Bertelsmann ausgezeichnet: http://www.textanalyse.com/#presse Das Hybridseminar ist die umfassendste, virtuell unterstützte Lehrveranstaltung am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Das Gesamtprojekt ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt, daher beinhaltet die Seminarkonzeption eine methodenkritische, summative und formative Evaluation. Sie ist mit Blick darauf entworfen, eine kontinuierliche Reflexion und Weiterentwicklung des didaktischen und technischen Konzeptes zu gewährleisten. Die hybride Lehrveranstaltungskonzeption verbindet in bestem Maße Präsenzphasen und virtuelle Komponenten und bietet damit einen ausgewogenen Methodenmix, um Lernprozesse anzuregen. Der Inhalt und Ablauf des Seminars entwickelt sich stets weiter. Unter anderem auch durch die laufende Seminarevaluation und aus den Anregungen der StudentInnen der letzten Semester. Das Evaluationsmaterial (24 problemorientierte, leitfadengestützte Interviews, 1500 Seiten Forentexte, 75 Befragungs- und Universitätsevaluationsbögen etc.) wurde bereits erhoben und bisher 3 Hybridseminare durchgeführt. Das aktuelle Hybridseminar (SS04) findet als Verbund von StudentInnen der Wirtschaftswissenschaften der Universität Kassel und StudentInnen der Erziehungswissenschaften der Philipps-Universität Marburg statt. Im nächsten Semester findet die Veranstaltung als Kooperation zwischen der HU Berlin, der Universität Hamburg und Marburg statt.
Das Weiterbildungssystem und die Organisation von Weiterbildung unterliegen einen ständigen Wandel und Veränderungsprozessen, die sich in der Gegenwart noch beschleunigt haben. Als Gründe hierfür sind u.a. die technische Entwicklung, die fortschreitende Mediatisierung der Gesellschaft, sowie politische Vorgaben zu nennen. Hieraus resultieren veränderte Qualitätsansprüche und eine erhöhte Anforderung an die selbstverantwortliche Steuerung des individuellen Lernprozesses, als wichtige Einflußgrößen in der Weiterbildung. Dies geschieht vor dem Hintergrund zunehmender Finanzierungsprobleme durch rückläufige öffentliche Zuwendungen. Die gewandelten Anforderungen werden das Kursgeschehen und damit das konkrete Lehr- und Lernverhalten unmittelbar verändern. Die Reaktion der Bildungspraxis auf diese Sachverhalte sind neue Lernarrangements. In den 1990er Jahren wurde in der Weiterbildung eine breite wissenschaftliche Auseinandersetzung über neue Lernkulturen geführt, zumeist ausgelöst durch den Trend, das individuelle Lernen sowie die Lernmöglichkeiten zu fokussieren. Als deutlicher Wandel für alle Bildungsbereiche zeichnet sich ab, daß die Didaktisierung nun über den Einsatz von neuen Medien, Projekt- und Teamarbeit sowie persönliche Lernberatung erfolgen soll. Neben den zahlreichen Konsequenzen und damit auch Veränderungen, die für die Lehrenden entstehen, hat dies auch Auswirkungen auf die Lernenden. Von ihnen wird erwartet, daß die größere Selbstbestimmung im Lernprozess und der bessere individuelle Zuschnitt der Lernsituation ihre Lernbereitschaft erhöhen. Angenommen wird, daß auf diese Art und Weise die Voraussetzung für permanentes Lernen geschaffen wird. Fakt ist allerdings, daß es zu den Anforderungen an neues Lehren und Lernen und den entsprechenden Erfahrungen aus der Praxis wenig gesicherte Erkenntnisse gibt. Neben der angemahnten Notwendigkeit, neue Lehr- und Lernkulturen zu implementieren, wird auch auf mögliche Schwierigkeiten, Problemfelder und Forschungsbedarfe hingewiesen: mögliche Lernwiderstände, Wissenszentrierung des Lernhandelns, Lehrhandeln als Entscheidungshilfe, Selbststeuerung und Lernziele. In der Arbeit wird untersucht, wie Teilnehmer/Innen von Bildungsangeboten der allgemeinen Erwachsenenbildung auf veränderte Formen von Lehrangeboten reagieren. Es wird von der These ausgegangen, daß vor dem Hintergrund der „Wissensgesellschaft“ und den sich erhöhenden Anforderungen an Lernende, neue Kompetenzen ausgebildet werden müssen, um diesen gerecht zu werden. Diese These soll im ersten Teil der Arbeit aus bestehenden Überlegungen und vorliegenden Forschungsergebnissen entwickelt werden. Sämtliche, an der Diskussion um „selbstgesteuertes Lernen“ beteiligten Protagonisten, verweisen auf „Anforderungskataloge“, deren Inhalte sich Lernende anzueignen haben, um den erhöhten Anforderungen gerecht zu werden. Bislang liegen jedoch nur wenig Untersuchungen und Informationen darüber vor, wie Lernende diese Lernform eigentlich beurteilen und welche Vor- und Nachteile sie bei dieser Lernform wahrnehmen. Vor diesem Hintergrund steht der Hauptteil der Arbeit, die Untersuchung der Akzeptanz und der Möglichkeiten von neuen Lehr- und Lernformen. Zu diesem Zweck wird Lernenden an der Volkshochschule ein Angebot unterbreitet, daß durch eine Form der Selbstlernarchitektur mit stärkerer Betonung von Präsenzphasen und Integration kursorischer Elemente gekennzeichnet ist. Feste Begleitende Elemente sind das Lerntagebuch, Lernberatung, Lernpraktiken, die eine Verbindung von Wissensvermittlung und eine Steigerung der Lernreflexivität ermöglichen sollen. Durch qualitative Begleitforschung soll die Lernerperspektive auf die neuen Anforderungen herausgearbeitet werden, die sich durch das selbstgesteuerte Lernen ergeben.
In der Dissertation wird der Umgang mit Medien in unterschiedlichen Familienkulturen aus einer Drei-Generationen-Perspektive untersucht. Dabei interessieren besonders die habitualisierten Umgangsformen mit Medien, wie sie im medienbezogenen Denken und Handeln von Enkeln, Eltern und Großeltern deutlich werden. Wie, so wird gefragt, sehen familienspezifische Gebrauchsweisen von unterschiedlichen Medien aus und mit welchen sozialen Anerkennungsprozessen sind diese jeweils innerhalb der Familie und darüber hinaus verbunden? In Anbetracht einer zunehmenden Mediatisierung aller gesellschaftlichen Lebensbereiche sollen dabei auch soziokulturelle und zeitgeschichtliche Entwicklungszusammenhänge mit in den Blick genommen werden. Ausdrücklich sind mit Medien deshalb nicht nur neue, sondern auch die „alten“ Medien gemeint. Gerade wenn die medienbezogene Weitergabe und Aneignung über mehrere Generationen hinweg untersucht werden soll, ist es wichtig, nach der Bedeutung zu fragen, die unterschiedliche Medien für verschiedene Familienmitglieder haben können (Buch bei der Großmutter, Computer beim Vater oder Videorecorder beim Enkel) bzw. wie sich der Stellenwert bestimmter Medien im Laufe der Zeit (insbesondere auch individual- und familienbiographisch) verändert. Unter anderem ist dabei von Interesse, inwieweit sich zwischen den herauszuarbeitenden unterschiedlichen familienkulturellen Mustern des Mediengebrauchs und ihrer jeweiligen (auch generationenspezifischen) Bewertung Zusammenhänge herstellen lassen zur sozioökonomischen Ausgangslage der Familie, festgemacht an der Zusammensetzung und dem Ausmaß der verfügbaren Ressourcen (ökonomisches, kulturelles, soziales Kapital). Aus ungleichheitstheoretischer Perspektive wird mit Bourdieu davon ausgegangen, dass sich durch das medienbezogene kulturelle und soziale Transmissionsgeschehen in der Mehrgenerationenfamilie unterschiedliche Gelegenheitsstrukturen herstellen, die mit Eröffnungen aber auch Verschließungen bezogen auf die kulturelle Teilhabefähigkeit und soziale Anschlussfähigkeit der Familienmitglieder einhergehen. Dabei geht es nicht nur um die Analyse des Umgangs mit Medien als Quelle vertikaler sozialer Ungleichheit. Auch medienbezogene Aspekte horizontaler sozialer Differenzierung z.B. nach Geschlecht und Generation sollen als ungleichheitsrelevante Dimensionen herausgearbeitet werden. Dabei spielen die unterschiedlichen Wertigkeiten, also das Ausmaß an sozialer Wertschätzung, das mit dem Ausmaß und der Art der Nutzung spezifischer Medien verbunden ist, eine wichtige Rolle. Deshalb bietet es sich an, die Prozesse der medienbezogenen Weitergabe und Aneignung im familialen Mehrgenerationenzusammenhang als Herstellung von sozialen Anerkennungsverhältnissen zu begreifen. Dies schließt die Herstellung der damit verbundenen (historisch sich verändernden) sozialen Bewertungssysteme mit unterschiedlichen Anerkennungschancen ein und muss sich sowohl auf familieninterne Anerkennungskonstellationen als auch auf über die Familie hinausreichenden Anerkennungsarenen beziehen. Der Umgang mit Medien wird als ein wichtiges Element von kulturellen Alltagslebens von Familien verstanden. Am Beispiel Medienumgang sollen also daher (strukturell homologe) kulturelle Praxisformen herausgearbeitet werden, welche Ausdruck familienspezifischer, alltagskultureller Gebrauchsweisen sind. Deshalb bietet sich an, aus dem vorliegenden Material eines laufenden DFG-Projekts zur familiale Weitergabe und Aneignung von Bildung und Kultur im familialen Mehrgenerationenzusammenhang eine gezielte Auswahl von fünf Familien zu treffen, in denen das Transmissionsgeschehen unterschiedliche Medienbezüge erkennen lässt. Das vorliegende umfangreiche empirische Material dient als Ausgangspunkt für eine erste Bildung von Kategorien und Indikatoren im Sinne der Grounded Theory. Mit ihnen soll dann ein tieferer Zugang zur Feinstruktur der familialen Medienwelten erschlossen werden, indem mit jeweils einem Generationenertreter der fünf Familien ein leitfadengestütztes Einzelinterviews mit medienbezogenem Schwerpunkt geführt werden soll. Zum Abschluss der Datenerhebung sind Gruppendiskussionen mit den Familien geplant, die auf der Basis der bis dahin erhobenen Daten konzipiert werden, um der „sozialen Logik“ des konjunktiven Erfahrungsraums Familie im Feld der medienbezogenen kulturellen Alltagspraxis genauer auf die Spur zu kommen. Das Dissertationsthema wird im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts „Familiale Bildungsstrategien als Mehrgenerationenprojekt“ unter der Leitung von Professor Peter Büchner im Institut für Erziehungswissenschaft an der Philipps-Universität Marburg bearbeitet.
Es besteht in zahlreichen gesundheitswissenschaftlichen Arbeiten und Erhebungen der vergangenen Jahre Konsens darin, dass es bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland durch die heutigen Lebens- und Umweltbedingungen zu einer Veränderung und Ausweitung des Krankheitspanoramas in Richtung chronische Erkrankungen, psychosomatische Krankheiten, emotionale Befindlichkeitsstörungen und psychische Auffälligkeiten (vgl. z.B. KOLIP 1995; HURRELMANN u. a. 2003) sowie zu Ernährungsstörungen, vor allem in Form der Adipositas, kommt. Da die Institution Schule umfassend auf die außerschulische Lebenswirklichkeit vorbereiten soll, wird an sie auch das Anliegen einer Förderung der Gesundheit herangetragen. Die Gesundheitserziehung bzw. -förderung richtet sich jedoch nicht an ein einzelnes Fach, sondern ist als fächerübergreifender Anspruch formuliert. In diesem Netzwerk von Fördermöglichkeiten wird dem Fach Sport bzw. der Bewegungsförderung im Schulalltag in der Regel eine wichtige Position eingeräumt. Die bisherigen Strategien zur Verbesserung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen waren jedoch stets auf die Krankheiten, sprich die medizinisch objektive Ebene, gerichtet. Den Krankheiten sollte mittels einer Gesundheitserziehung in ausgewählten Fächern (z.B. Sport, Biologie) begegnet werden. Ungeachtet der nachgewiesenen Erfolglosigkeit von Gesundheitserziehung, ist eine derartige Vorgehensweise in Anbetracht der gegenwärtigen Beeinträchtigungen als völlig unzureichend anzusehen. Wie die gegenwärtige gesundheitswissenschaftliche Forschung zeigt, ist heute ein Gesundheitsverständnis erforderlich, das die subjektive Bewältigung von Belastungen mit den individuell verfügbaren Ressourcen, die es zu stärken gilt, im Sinne einer Selbstsorge in den Mittelpunkt stellt. Dieser Perspektivenwechsel hat sich mittlerweile auch in zahlreichen Initiativen, wie in dem Bericht der KMK vom 5.-6. November 1992 „Zur Situation der Gesundheitserziehung in der Schule“ exemplarisch nachzulesen ist, durchgesetzt. Hierbei geht es nicht mehr nur um das Vermeiden von Krankheiten, sondern auch und vor allem um die Erhaltung und Förderung der Gesundheit. Die Gesundheitsförderung ist fachübergreifend und auf die gesamte Schule, inklusive Schulleben, zu beziehen. Bei der Umsetzung in die Praxis kommt es dabei jedoch zu Widersprüchlichkeiten. Unter dem Namen der Gesundheitsförderung wird weiterhin Gesundheitserziehung, sprich die ausschließliche Fixierung auf Krankheiten, betrieben. Diese ist zudem weiter an eine begrenzte Fächerauswahl gebunden. Unterstützt wird dies durch vorherrschende begriffliche Schwierigkeiten und Differenzierungsprobleme bezüglich des Verständnisses von Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung. So spricht man beispielsweise in der thüringischen „Empfehlung für das fachübergreifende Thema Gesundheitserziehung“ explizit von Gesundheitserziehung, betont aber, dass man darunter Gesundheitsförderung verstanden wissen will (THÜRINGER KULTUSMINISTERIUM 1999, 8). Auch der hessische Lehrplan spricht immer noch von Gesundheitserziehung. Das Dissertationsprojekt befasst sich vor diesem Hintergrund mit der Frage, ob Schule in ihrer derzeitigen Verfasstheit und Bildungskonzeption überhaupt in der Lage ist, dem Anspruch einer Gesundheitsförderung im Sinne der Stärkung subjektiver Ressourcen gerecht zu werden. Es wird von der Annahme ausgegangen, dass eine solche Konzeption von Gesundheit überhaupt nur als durchgängiges Prinzip im Schul- und Unterrichtsleben wirksam werden kann und nicht als Erziehungsmaßnahme und fachliche Wissensvermittlung über Gesundheit bzw. Übung von sinnentleerten Aktivitäten. Dazu muss Gesundheit in ein Bildungsverständnis eingebunden sein, das Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten eröffnet, Schule als gesundheitsfördernden Lebensraum zu erleben und zu erfahren und aus eigenem Engagement sinnstiftende gesundheitsfördernde Aktivitäten wahrzunehmen, die die individuellen Ressourcen stärken. Gesundheitsförderung korrespondiert dann mit einer Bildungskonzeption in der Bewegung eine Form des Weltverstehens als Sich-Bilden meint, die sich diesem Gedanken folgend zur Konzeption einer Gesundheitsbildung verdichtet. Dazu ist zunächst eine begriffliche und theoretische Fundierung von Gesundheitsförderung erforderlich. Mit der Darstellung aktueller Facetten zum Gesundheitsverständnis, der Definition von Gesundheitsförderung und den Inhalten der „Ottawa-Charta“ als theoretischer Basis für eine schulische Gesundheitsförderung mit Bezügen zu bildungstheoretischen Überlegungen, lässt sich der grundlegende Theorierahmen dieser Arbeit abstecken. Auf dieser Grundlage werden dann die Perspektiven für eine bewegungsorientierte Gesundheitsförderung und die Umsetzungsmöglichkeiten herausgearbeitet. Wenn Schule also in diesem Sinne einen Beitrag zur Gesundheitsförderung leisten kann, dann besteht dieser darin, den gesundheitlichen Beeinträchtigungen von Kindern und Jugendlichen dadurch zu begegnen, dass sie über die Selbstaktivierung, verstanden als bewegungsbezogene Zugangsweise zur Welt, ihre individuellen Ressourcen zu stärken lernen. In dieser Arbeit soll daher den Möglichkeiten der Körperwahrnehmung und der Bewegungsaktivität als Teil der Gestaltung eines gesundheitsfördernden schulischen Lebens- und Lernraumes die zentrale Aufmerksamkeit geschenkt werden. Zu fragen ist, mit welcher Bewegungskonzeption und welchen Angeboten und Gestaltungselementen eine Gesundheitsbildung zur Stärkung der individuellen Ressourcen möglich ist und wie diese im schulischen Lebens- und Lernraum im fächerübergreifenden Zusammenhang sowie im Bewegungs- und Sportunterricht verankert werden können. Körperliche Bewegung hat nachweislich Einfluss auf die Lebensqualität des Menschen. Explizit kann mittels Bewegung das objektive und subjektive Befinden von Menschen gestärkt werden. In einem weiteren Schritt dieser Arbeit soll daher überprüft werden, ob mittels der Konzeption der Bewegten Schule, die ja die Verhältnisebene im Sinne des schulischen Lebensraumes einschließt, die Ansprüche einer bildungsorientierten Gesundheitsförderung realisiert werden können.